Thursday, 19. november 2009
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Heute einmal ein Tipp der etwas anderen Art. Nicht unbedingt eine Reise. Obwohl. Im weiteren Sinne schon. Eine Kinoreise kann ja auch der Erholung, Bildung o.ä dienen.
Wie auch immer, der Film "Looking for Eric" ist absolut sehenswert.
Filmkritik: Eric Bishop (Steve Evets), ein in die Jahre gekommener Postbote, der seine Frau Lily kurz nach der Geburt ihrer gemeinsamen
Tochter Sam sitzen lässt und seitdem mit den beiden Stiefsöhnen aus zweiter Ehe ein chaotisches Leben im Arbeitermilieu von Manchester führt. Sein Job überfordert ihn, mit seinen Söhnen steht er
auf Kriegsfuß, das Leben eine einzige Sackgasse. Während er gedankenverloren auf das Poster seines Idols Eric Cantona blickt, erscheint ihm dieser leibhaftig und führt ihn mit weisen und
philosophischen Ratschlägen ins Leben zurück ("Man muss Nein sagen, um ein Ja zu bekommen"). Aber auch die Heerscharen von Bishops Freunden, angeführt von "Meatball", lassen ihn nicht hängen und
stehen ihm humorvoll und mit Kampfeslust zur Seite.
Cantona faszinierte seine Fans (vor allem die von ManU) nicht nur dank seiner robusten und teils auch begnadeten Spielweise, er war das "enfant terrible", das immer wieder aneckte. Berühmt machte
ihn eine rund einminütige Pressekonferenz nach seinem Kung Fu-Tritt gegen einen gegnerischen Fan 1995 im Spiel gegen Crystal Palace, der ihn zuvor rassistisch beleidigt hatte. Als alle Welt mit
einer Entschuldigung rechnete, philosophierte Cantona über Möwen, die einem Trawler (Fischkutter) folgen und auf die von Bord geworfenen Sardinen hoffen. Trotz der neunmonatigen Sperre kehrte er
ins Team von ManU zurück und spielte erfolgreich wie zuvor.
Authentisch, begeisternd und rührig
Keinesfalls nur Freunde des runden Leders kommen in diesem Film auf ihre Kosten. Aber für solche ist der Kino-Besuch allein wegen der Auswahl der schönsten Tore Cantonas schon Grund genug. Obwohl
doch Cantona selbst einen spektakulären Pass auf Teamkollege Denis Irwin als wichtigste Szene in seiner Fußballerkarriere ansieht. Das Besondere daran, er gab diesen mit seinem schwachen rechten
Fuß, was ihn zu einer weiteren philosophischen Äußerung veranlasste: "Bevor du andere überraschst, musst du dich selbst überraschen." Eric Bishop nimmt ihn beim Wort und lässt Taten folgen.
Letztlich ein wunderbarer Film, der an Authentizität kaum zu übertreffen ist, dessen unbekannte Schauspieler begeistern und für gerührte und zugleich betroffene Kinobesucher sorgen. Das britische
Arbeitermilieu hätte kaum besser in Szene gesetzt werden können. Eine rundum einfühlsam erzählte Geschichte mit viel Humor, aber auch sozialkritischen Aspekten, die die heutige
Fußball-Glamourwelt aufs Korn nimmt. Bei den Festspielen in Cannes in diesem Jahr fand der Film viel Anerkennung und Beifall.
Seit dem 5. November 2009 in den deutschen Kinos ist der Film "Looking for Eric" zu sehen. Empfehlenswert in OmU-Version, um das herrliche british-english von Eric Bishop und Kollegen sowie den
mal englisch und mal französisch plaudernden Cantona genießen zu können.